Die Gespenster der Weihnacht

Bei manchen unserer Verwandten wünschen wir uns an den Feiertagen schnell, dass ihnen die Geister der Weihnacht erscheinen (Illustration: Isabel Schmiedel).

Wenn es wieder mal so weit ist

beim Familienweihnachtsfest,

dass mein Onkel Arno breit ist,

und er sich vernehmen lässt,

 

zu viel Fremde würden kommen

und sie machten sich hier breit

und es würde ihm genommen

seine schöne Weihnachtszeit,

 

Schokoweihnachtsmänner wären

nur als Jahresendfigur

noch im Handel, und sich wehren

gegen diese Diktatur,

 

heiß, so lange es noch ginge,

seinen Tannbaum christlich ziern,

bis man uns dann alle zwinge

zum Islam zu konvertiern –

 

ach, dann wünsch ich, drei Gespenster

wie in Dickens‘ Weihnachtsbuch

kämen durchs geschmückte Fenster

meinem Onkel zu Besuch,

 

und sie würden ihn erschrecken

und dann machten sie ihm klar,

dass er, was er sagt, mal stecken

lassen soll – es ist nicht wahr.

 

Doch Gespenster solchen Schlages

sah ich kaum in letzter Zeit.

Ihn erschrecken? Niemand wagt es,

ist mein Onkel Arno breit.

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