Ein stiller Sog Leicht pulsierende Vibes

The Sea and Ease beim Reset-Festival. (Foto: LWL Steinweg)

The Sea and Ease aus Münster schaffen es Musik Raum zu geben und lassen einen still werden – pulsierend und melodisch. Die aus sechs Mitglieder bestehende Band findet dabei für sich und die Hörer den richtigen Vibe.

Manchmal ist es ein bisschen so, als fände man seinen Platz in der Welt. Da ist kein Sog mehr, kaum noch Rauschen, keine Ohnmacht angesichts des Lebens, sondern ein Stillsein. Und fast ist es so, als gäbe es wirklich Stille.

Valentin fängt relativ ansatzlos an, loszuplappern und ich frage mich, ob das jetzt noch Privatgespräch oder schon Teil des Interviews ist. In jedem Fall will er morgen gerne auflegen. Liebend gern auch die ganze Nacht. Die anderen lachen. Wir sitzen im F24 und zunächst werden Getränke bestellt. Kamillentee und Cola. Valentin bestellt sich dazu noch Falafel. Dann geht es schon wieder um die Party morgen. „Wie hat das alles angefangen?“, überlegt Milan zwischendurch. „Also ursprünglich haben Lina, Nils, Joris und ich das zusammen begonnen. Aber eigentlich ist es nicht so wichtig, wer was macht, sondern dass die Gruppe einfach so da ist“, sagt er. „Wichtiger ist vielmehr, dass wir nun mit Mika einen Schlagzeuger haben und sich dadurch unser Sound sehr entwickelt hat im Vergleich zu unserer ersten EP“, fügt Lina hinzu.

The Sea and Ease. (Foto: Ilay Izmir)

Die Scheune

Früher wurde noch bei Milan im Keller geprobt. Das ging auch noch ohne Schlagzeug. Mittlerweile proben The Sea and Ease in Dinslaken bei Mika in einer ausgebauten Scheune. Mitten im Nirgendwo. „Die Scheune“, flüstert Valentin lächelnd. Für Lina ist es eher ein Schuppen. Generell wäre es in Münster schwierig einen Bandraum zu finden, der bezahlbar und nicht total muffig sei, erklärt Lina. Wirkliche Probetermine gibt es nicht. „Wir sind eher auf den Unialltag konzentriert, aber wenn wir Zeit haben, schaffen wir es dort dem Alltag zu entfliehen. Da ist wirklich nichts“, sagt Nils. In der Scheune wird gemeinsam gejammt und auch für sich gespielt. In mehr oder weniger aufwendigen Prozessen wird dann gemeinsam etwas entwickelt. Einen festgelegten Sound oder eine Vorstellung,, wie es klingen soll, gibt es dabei nicht. „Wir haben alle gemerkt, dass Offenheit sehr wichtig ist, weil wir dadurch viele Einflüsse und Inspirationen zulassen können. Auch weil wir uns alle verändert haben“, erklärt Valentin. Und ich nicke. Generell habe jeder Song seine eigene Grundstimmung und schnell ruft Lina „vibe“ dazwischen. Es scheint als wären alle sehr zufrieden mit dem Wort „Vibe“.  „Die Stimmung, der Vibe, ist all das, was uns beim Musik machen verbindet und was uns wichtig ist”, klärt Milan auf.

Musik Raum geben

Markant bei The Sea and Ease sind die Synthies und das Schlagzeug, die oft eine Richtung, aber nie das Ziel vorgeben. Die Songs sind so immer pulsierend, quasi durch den Raum tragend, dazu die melodiösen Klänge von Bass und Gitarre sowie ein klarer, heller Gesang. Insgesamt wirkt die Musik zurückgezogen, irgendwie still, ohne still zu sein.

„Die Songs sind nie allein auf dem Gesang aufgebaut. Der Gesang ist vielmehr immer eine Soundorientierung“, erklärt Lina. Ich glaube, bei uns ist es so, dass jedes Bandmitglied ein neues Element darstellt und zusammen schaffen wir dann einen gemeinsamen Sound“, sagt Valentin. Oder „vibe“, wie die Band wohl sagen würde. Und Milan ergänzt noch: „Letztlich ist die Band für uns die Möglichkeit, uns auszudrücken.“ Musik, die sich selbst Raum gibt.

Ein stiller Sog. (Foto: LWL Steinweg)

Zukunftspläne

Der erste Auftritt der Band war im Jahr 2013 im kleinen Tischtennisraum im SpecOps. Mittlerweile haben sie in Münster im Gleis 22, auf dem Reset-Festival oder dem Auf weiter Flur-Festival gespielt. Auch in Hamburg und Bremen sind sie schon aufgetreten.
Insgesamt scheint es ihnen aber wirklich egal zu sein, wo sie auftreten, hauptsächlich ist, dass sie auf der Bühne stehen. Ob sie schon mal mit dem Gedanken gespielt hätten, groß rauszukommen, frage ich. „Man kann auf den Erfolg nicht hinarbeiten. Uns geht es mehr um das Feedback des Publikums“, antwortet Milan.
„Musik machen, ist für uns eine Auszeit neben dem Studium. Das wollen wir nicht machen müssen, sondern das soll unbehelligt sein und Spaß machen“, ergänzt Nils. „Am wichtigsten ist aber, dass wir auf der Bühne Spaß haben und wir uns freuen, wenn wir Leute mitreißen können. “, sagt Milan. So wird mir von einem Auftritt berichtet, wo Leute jenseits der 60 Jahre zu der Musik der Band tanzten.

Schweineschnitzel oder vegan

Dann versuchen wir noch so etwas wie eine Schnellfragerunde, um festzustellen, dass sowohl vegan als auch Schweineschnitzel gegessen und Bochum Berlin vorgezogen wird. Münsters Musikszene sei pulsierend, sinnlich und extravagant, wo junge Bands extrem viele Möglichkeiten hätten, aufzutreten. „Es wird wirklich sehr viel organisiert und auf die Beine gestellt. Dafür können wir auch mal Props aussprechen“, fordert Valentin lachend auf. Dann stelle ich fest, dass ich leider zu wenige Fragen für die Schnellfragerunde vorbereitet habe.

Zwei Tage später treffe ich Nils zufällig im Milagro und es gibt weder Schweineschnitzel noch etwas Veganes. Mir fällt aber noch ein, was ich vergessen hatte, zu fragen: „Wieso eigentlich The Sea and Ease?“ „Weil uns einerseits die Verbindung der beiden Wörter sehr gut gefällt und andererseits, in „ease“ „sea“ irgendwie schon mit drinsteckt und sich so auflöst“, erklärt er mir.  

Über sich selbst schreiben sie auf Facebook: „Meer. Pulsierende Beats. Dämmerung. Warmer Bass. Regen. Fließende Synthies. Nebel. Hallende Gitarre. Luft. Klare Stimme.“ Und genauso ist es: immer ein leichter Sog und fast Stille.

Facebook: www.facebook.com/pg/theseaandease
Kontakt: theseaandease@gmail.com

Nils: Bass/Gitarre
Milan: Synthesizer/Keyboard
Valentin: Gitarre
Lina: Gesang
Joris: Bass
Mika: Schlagzeug

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