„Weil niemand anderes antwortet“ Interview mit Martin Sonneborn

(Foto: Dustin Hoffmann)

Martin Sonneborn ist Bundesvorsitzender von Die PARTEI und sitzt seit 2014 im Europaparlament in Straßburg. Wir haben mit ihm über den Brexit, Burschenschafter und politische Studenten gesprochen.

SSP: Sind Studenten noch politisch? Warum ja, warum nein?

MS: Nicht politisch genug. Ich glaube, dass Studenten heute zu wenig Zeit haben, sich mal zu langweilen, über das Leben nachzudenken oder sich politisch zu interessieren. Ich habe selbst 15 Semester BAföG bezogen und schöne Jahre in Münster, Wien und Berlin verbracht. Deswegen wollen wir nach der Machtübernahme den ganzen Bachelor-Quatsch rückgängig machen. Studenten sollen 15 Semester lang mit 1000 Euro monatlich alimentiert werden – und danach stecken wir sie in die Produktion.

SSP: Vollenden Sie: Studenten aller Länder, vereinigt euch und …

MS: … verfolgt eure Interessen, denn die ältere Generation verspielt gerade eure Zukunft. Wir stellen demnächst bei YouTube ein Wahl-Tutorial ein, damit so etwas wie der Brexit nicht wieder passiert und auch eure desinteressierte Generation weiß, wo, wann und warum sie wie ein Kreuz machen muss. Smiley!

SSP: Der Brexit war definitiv keine Entscheidung unserer Generation (19- bis 24-Jährige) – Was tun mit den ganzen alten Menschen?

MS: Von politischen Entscheidungsprozessen ausschließen. Die PARTEI will das Wahlalter ändern und beschränken. In Zukunft sollen nur noch Bürger zwischen 14 und 54 Jahren wählen dürfen. Langzeitstudenten ausgenommen. Ab 14 Jahren, weil wir bei Schülerwahlen ganz hervorragende Wahlergebnisse erzielen, bis zu 4,3 Prozent bundesweit.

SSP: Wie sehen Sie Hochschulpolitik?

MS: Als zu kurzfristig orientiert.

SSP: Was halten Sie von Burschenschaftern?

MS: Nicht allzu viel. Ich saß im Europäischen Parlament neben einem FPÖ-Burschenschafter. Der hat mir gleich Ärger angedroht, als ich mal den Platz von Udo Voigt (NPD) und seine Notizen unter die Lupe genommen habe …

SSP: Waren Sie als Student politisch? Und war früher wirklich alles besser?

MS: Mäßig. Ich habe in Münster mal mit einem Freund zusammen ein 6er-Pack Eier zu einer Veranstaltung des damaligen Bildungsministers Müllmann mitgenommen. Als wir sahen, dass um uns herum alle Krawatte oder gelbe Fliegen trugen, haben wir sie ganz unauffällig unter die Stühle gleiten lassen. Aber früher war alles besser, das kann ich selbstverständlich bestätigen. Sogar meine Antworten bei Interviews.

SSP: Was denken Sie, warum wir ausgerechnet Sie gefragt haben, ob Sie uns zu diesem Thema Auskunft geben können?

MS: Weil Ihnen niemand anders antwortet?

SSP: Haben Sie nicht Sorge, die „Glaubwürdigkeit“ der Politik weiter zu beschädigen und somit zur Entpolitisierung beizutragen?

MS: Nein, die Glaubwürdigkeit wird von den Politikern anderer Parteien viel mehr beschädigt, wir reagieren ja lediglich darauf. Die PARTEI wird von vielen als intelligente Protestwahlmöglichkeit begriffen und ich sehe, dass sich viele Studenten und Schüler gerade über uns politisieren. Wir haben auch immer wieder Leute, die dann austreten, weil sie später in eine etabliertere Partei wechseln – oder aber auch im Namen der PARTEI irgendwo in den Land- oder Stadtrat gewählt werden. Und dann zum Teil auch sehr ehrbare Politik machen.

SSP: Kann man Politik überhaupt noch ironiefrei betreiben?

MS: Sollte man auf jeden Fall. Es gibt doch viel zu viel Ironie, Klamauk und Comedy allerorten. Von einem Politiker erwarte ich, dass er Politik verantwortungsbewusst gestaltet, nicht dass er mich unterhält. Lustig sind wir selbst.

SSP: Wie erklären Sie sich den Erfolg ihrer Partei “Die PARTEI”?

MS: Ich fürchte, unser Erfolg ist der Erfolg der anderen Parteien. In Wahlkämpfen müssen wir gar nicht so viel tun. Fast sämtliche anderen Parteien arbeiten für uns, besonders natürlich das Merkel-Regime und der Schmierlappen Sigmar Gabriel. 

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