Kurz vor dem Traum Giant Rooks: Mix aus fetzigem Art-Pop und großer Bühnen-Leidenschaft

(Foto: Lydia Trappenberg)

Musik besteht für mich aus Leidenschaft, Freude, bestenfalls einem großen Talent für Instrumente und Melodien sowie aus der Fähigkeit, Stimmungen an das Publikum weiterzugeben. Wenn ich die Augen schließe und die dichten, detailreichen Klänge sowie den tiefen Gesang von dieser Band höre, fühle ich eben genau das. Ich fühle Passion, Freiheit und Tiefe. Genau aus diesem Grund geht es mit den blutjungen Jungs der Band Giant Rooks aus Hamm musikalisch bergauf – denn sie haben ihren eigenen musikalischen Stil gefunden, den sie als „Art-Pop“ bezeichnen. Dieser ist gepaart mit einer charakterstarken Stimme von Sänger Fred und emotionalen, bewegenden Texten. Ich möchte euch diese Band aus meiner Heimatstadt vorstellen, die schon längst ein Geheimtipp der jungen Musikszene ist.

Hamm, Westfalen, Mitte September. Die fünf Jungs Frederik, Johnny, Finn, Luca und Finnbo waren diesen Sommer ziemlich auf Achse – knapp dreißig Festivals standen auf dem Programm, Tour-Supports und parallel dazu noch der übliche Alltagsstress wie zum Beispiel Schularbeiten. Denn Luca und Finnbo gehen noch zur Schule. Am Donnerstagabend wird noch live auf dem Hamburger Reeperbahn Festival gespielt und nachts der ICE nach Hamm genommen, damit sie am Freitag pünktlich um 8 Uhr wieder in der Schule sitzen. Was sind das für Jungs? Wie entwickelten sie ihren Stil und ihre jüngsten Banderfahrungen?

Von energischen und passionierten Bühnenshows

„Angefangen hat es ja eigentlich schon damals, als Finn und ich mit neun Jahren unsere erste eigene Punkband gründeten und damals noch Texte schrieben, die gegen Atomkraftwerke gerichtet waren“, schmunzelt Fred, als ich ihn frage, ab wann er eigentlich schon selbst Musik macht und Songs schreibt. Ziemlich lange also schon. Fred spielte auch schon ziemlich früh Klavier und war Mitglied verschiedener Bands der städtischen Musikschule Hamm. Musik war schon früh ein Teil ihres Lebens, dass sie aber mal auf Bühnen wie denen beim „Haldern-Pop-Festival“, „c/o pop“ oder „Watt en Schlick“ stehen würden, war damals noch nicht abzusehen. Ebenfalls auch nicht, dass sie eigene EPs veröffentlichen würden und nun auf einem ziemlich guten Weg sind, dem Erfolg deutscher Bands wie Milky Chance oder AnnenMayKantereit zu folgen. Dabei reicht die Bandgeschichte der Giant Rooks an sich noch nicht weit zurück – vor gerade einmal zweieinhalb Jahren formte sich das jetzige Quintett und schrieb eigene Songs. Mit dem Gewinn eines Nachwuchspreises in unserer Heimatstadt folgte die erste Einladung, im „Gleis 22“ in Münster zu performen, wo sie ihr erster Booker entdeckte und der Erfolg seinen Lauf nahm. Ende letzten Jahres brachten die Jungs, die im Durchschnitt gerade einmal 19 Jahre alt sind, ihre Debüt-EP „The times are busting the lines“ heraus, dessen Erstauflage schon nach kurzer Zeit vergriffen war. Dies geschah nicht zuletzt, da die EP noch gerade rechtzeitig zum Auftakt des Tour-Supports bei der Indie-Rockband Razz erschien. Mit jenen Jungs tourten die Rooks quer durch Deutschland und lernten bei der Gelegenheit Alex Richter kennen, den Chef von „Four Artists“, der größten deutschen Booking-Agentur, die beispielsweise auch die „Fantastischen Vier“ und Andreas Bourani vertritt.

Spätestens seitdem wurde man in der jungen Musikszene aufmerksam auf die Giant Rooks. Es folgten Tour-Support bei Kraftklub, Joris und – aktuell laufend – bei der Berliner Newcomer-Band „Von wegen Lisbeth“. Ende August 2016 gewannen die Giant Rooks den popNRW-Preis als beste Newcomer 2016 und wurden vor wenigen Wochen prompt von 1LIVE für den New Music Award nominiert. Am 9. Dezember wird die Band dafür in Berlin performen. „Es ist echt ziemlich viel passiert in einem Jahr. Durch die vielen Gigs hatten wir tolle Möglichkeiten uns zu verbessern und auch Kontakte zu knüpfen. Wir sind unglaublich dankbar für die vielen Erfahrungen, die uns besonders dieser zweite wichtige Sommer gebracht hat“, betont Fred.

Atmosphärischer Art-Pop gemixt mit fetzigen Beats

Die GiaRoos beschreiben ihren Stil als Art-Pop, einer experimentellen Mischung aus Indie-Pop, Folk und elektronischen Einlagen, gepaart mit tiefen Gesängen. Der Sound macht hier die Musik. Hinzu kommen englische Texte, welche mich immer wieder an wortreiche, poetische Passagen von Dichtern und Denkern erinnern.

„What’s the chapel of mine I begged you, as we walked the brown meadows. All colours were much more intense ‘cause it rained before. (…) And you believe to be, on an old fated ship, but got enough time live a satisfying life on it. And when all common sense is gone, the people want their chapels for their own use.“ -Chapels-

Musikalische Einflüsse von Bands wie Alt-J, James Blake und Balthazar zählt mir Fred als Inspirationsquellen auf, ebenso aber auch die alten Jazzplatten seines Vaters und die fetzigen Songs der Beatles. Altes trifft hier auf Neues – diesen kreativen Spagat bemerkt der Hörer insbesondere am Facettenreichtum der Klänge. Schönes Beispiel dafür ist der Debütsong Småland, welcher von den Kindheitserinnerungen im schwedischen Ferienhaus der beiden Cousins Fred und Finn handelt: Erst erklingen sanfte Melodien und zum Ende hin entwickelt sich ein beatvoller, musikalischer Turn-up. Die Mischung macht’s – so haben die Jungs nicht nur seichte, atmosphärische Melodien im Gepäck, sondern auch fetzige Songs. Da tanzen nicht nur die erste, zweite und dritte Reihe – da bebt der ganze Raum. „Das ist dann wirklich ein Geschenk an uns, nämlich wenn die Location und die Leute zusammenpassen und so eine gute Stimmung herrscht. Deshalb würden wir in Zukunft total gerne in Clubs performen, da uns als Künstler die Atmosphäre dann voll einnehmen kann, aber auch die Zuschauer die Musik wahrnehmen können, wie wir es uns wünschen würden“, sagt Frederik und hat dabei ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Von Plänen und Träumen für die Zukunft

Ich sitze mit Fred im Wohnzimmer seines Elternhauses, wo er heute noch lebt. Dort, wo auch die Youtube-Livesession von „Chapels“ aufgenommen wurde und immer noch gerne Partys gefeiert werden. Viele Erfahrungen und Erlebnisse liegen nach diesem zweiten Festivalsommer hinter der Band, die nun erst einmal langsam sacken gelassen werden müssen.

Ich frage Fred, wie es denn so sei, nach diesen intensiven Phasen wieder in den Alltag zurückzukehren. „Es ist schon so, dass man nach tollen Konzerten oder Touren in ein Loch fällt. Man ist ja schon in einer anderen Welt“, sagt Frederik, „aber was mir und uns wichtig ist, ist die Tatsache, dass man das Ganze immer noch fluffig und locker angeht. Die Musik soll in erster Linie Spaß machen und sich dann auch nicht wie harte Arbeit anfühlen. Klar waren wir wohl viel am Spielen, aber das hat uns einfach Spaß gemacht und wir hatten nicht den Fokus, total erfolgreich zu werden.“ Und das nehme ich ihm direkt ab, denn so lebt und arbeitet die Band schon von Anfang an. Die Liveauftritte waren immer einer der wichtigsten Fokusse, denn nur so bringt man sich schließlich unter die Leute, bildet eine feste Fangemeinde und lernt Kontakte kennen. „Ich würde sagen, Kontakte knüpfen sowie möglichst viel zu spielen und sich zu präsentieren, ist schon echt wichtig, wenn man klein anfängt. Die Lisbeths haben wir ja auch erst vor paar Monaten auf dem „Bochum-Total“ kennengelernt, als wir mit denen gespielt haben. Dann fanden die uns ganz gut und haben gefragt, ob wir mit ihnen touren wollen.“ „Wie geht’s nun eigentlich weiter, was sind eure Pläne?“, frage ich schließlich. Ein wichtiger Schritt sei erst einmal, von der Musik wirklich leben zu können, meint Fred. Denn noch proben die Jungs vier- bis fünfmal in der Woche in Finns Keller und gehen nebenbei jobben, um sich das Equipment zu finanzieren. Er fährt fort: „Im Winter kommt dann erst einmal unsere zweite EP raus, auf die wir uns schon freuen. Und ja … nächstes Jahr, wenn Finnbo und Luke fertig sind mit der Schule, planen wir wohl so langsam, in eine größere Stadt zu ziehen. Berlin oder Hamburg … mal sehen. In Hamm geht ja nicht so wirklich was.“ Über den letzten Satz muss ich ziemlich schmunzeln. Fred fährt fort: „International zu spielen, wäre unser Traum. Ich mag England und Schweden total, es wäre wirklich Hammer dort in Zukunft hinzukommen. Aber wie gesagt: Immer locker bleiben!“ Und diese Einstellung übernehme ich gerne in mein eigenes Leben, wünsche den Rooks weiterhin viel Erfolg dabei und freue mich schon auf ein baldiges nächstes Konzert.

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