„Wolken bedeuten für mich Freiheit und Ferne“ Fünf Fragen an Reisebloggerin Simone Schwerdtner

Simones Arbeitsplatz. (Foto: Simone Schwerdtner)

„Wolkenweit“ von Simone Schwerdtner ist ein aufgehender Stern am Reiseblog-Himmel. Mit Beiträgen aus aller Welt und besonders mit Artikeln über die Seychellen begeistert sie seit knapp drei Jahren die Leser. Im Mai 2016 hat die ehemalige Münsteraner BWL-Studentin nun ihren Traum von einem Leben am Meer verwirklicht und ist auf die Inselgruppe gezogen. Wir haben mit der 33-Jährigen über das Bloggen und Fernweh gesprochen.

SSP: Wie entstand die Idee, einen Reiseblog zu beginnen und warum hast du diesen „Wolkenweit“ getauft?

S.S.: Mit „Wolkenweit“ habe ich vor knapp drei Jahren begonnen. Es war definitiv meine Liebe zum Reisen, Schreiben, Fotografieren und auch zur Onlinewelt, die mich dazu bewegt hat. Es war aber auch ein innerer Antrieb, dem ich gefolgt bin – woher der kam, weiß ich bis heute nicht. Dieser Antrieb lässt mich seitdem nicht mehr los und das Blog ist mein Herzensprojekt. Die Frage nach dem Blognamen lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Irgendwie hatte ich den Namen schon lange im Kopf. Wolken bedeuten für mich Freiheit und Ferne – und das ist eine schöne Assoziation. Von „keine Wolken weit und breit“ kommt der Name allerdings nicht, auch wenn das einige immer noch denken.

Über Stock und Stein zum Leben am Meer. (Foto: Simone Schwerdtner)

SSP: Wie sah dein Alltag früher aus, bevor du auf die Seychellen gezogen bist und welchen Einfluss hat der Umzug auf dein Fernweh?

S.S.: Ich war früher als Online-Marketing-Managerin fest angestellt. Ich hatte reguläre Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr und das von montags bis freitags. Viel Zeit für meine eigenen Projekte blieb da nicht. Nach Feierabend und auch am Wochenende arbeitete ich von zu Hause aus an meinem Blog. Pro Woche kamen so weitere 25 bis 30 Stunden zusammen, die ich neben dem eigentlichen Beruf an meinen eigenen Projekten arbeitete. Langfristig musste ich natürlich etwas ändern, da das kein Dauerzustand sein konnte. Mein Vorteil war, dass ich bereits als Freelancer arbeitete und schon einige Kunden hatte. Auch über das Blog hatte ich bereits ein paar Einnahmen. Der Sprung in die Selbstständigkeit war für mich also nur noch eine Frage der Zeit. Durch den Umzug auf die Seychellen reise ich nun viel weniger und habe auch kaum Fernweh mehr. Als ich noch in Deutschland wohnte, war das anders. Kaum war ich von einer Reise zurück, wollte ich schon wieder los. Mit den Seychellen habe ich mein Traumziel gefunden. Seit meiner ersten Reise vor fast sieben Jahren bin ich unsterblich in sie verliebt. Ich fliege alle paar Monate nach Deutschland, um Freunde sowie Familie zu besuchen und versuche das dann immer mit einer kleinen Reise zu verbinden. Im Winter war ich beispielsweise fünf Wochen in Deutschland und bin dann mit meinem Freund eine Woche nach Südtirol zum Snowboarden gereist. Er ist Seycheller und für ihn war es das erste Mal im Schnee. Das war das totale Kontrastprogramm, für beide von uns – und eine schöne Abwechslung zur tropischen Hitze. Ansonsten versuche ich die Seychellen immer weiter zu entdecken. Ich lebe ja heute auch von meinem Expertenwissen und da warten insgesamt 115 traumhafte Inseln, von denen ich viele noch gar nicht kenne. Urlaub im eigenen Land sozusagen. Das ist auf den Seychellen natürlich besonders schön. Als nächstes möchte ich aber auch unbedingt die Nachbarinseln im Indischen Ozean besuchen wie zum Beispiel Mauritius und Madagaskar – oder aber auch das afrikanische Festland.

SSP: Dein Blog ist schon mehrmals ausgezeichnet worden. Was ist das Besondere deines Blogs und welche drei Punkte sollten Blogger bei einem Reiseblog beachten?

S.S.: Wenn ich ehrlich bin, dann freue ich mich zwar über Auszeichnungen, aber ich klopfe mir danach nicht auf die Schulter. Ich versuche mein eigenes Ding zu machen, lese wenig andere Blogs und lasse mich nicht beeinflussen. Anderen Reisebloggern kann ich erstens nur empfehlen, tolle, einzigartige und mitreißende Artikel zu schreiben. Zweitens sollten Werbung und Kooperationen gekennzeichnet werden und drittens sollten Blogger authentisch und mit Herzblut dabei sein. Ich persönlich stecke fast meine ganze Energie in „Wolkenweit“ und versuche so authentisch wie möglich zu sein. Meine Leser finden bei mir nicht nur Reisetipps, sondern wer mir aufmerksam folgt, kann auch viel über mich als Person erfahren. Was mich von anderen Blogs unterscheidet, kann ich, ehrlich gesagt, nicht sagen. Vielleicht finden viele mein Inselleben toll, mich als Person interessant oder eben meine Reiseziele. Ich habe auf jeden Fall einige treue Leser, die meine Reisen sogar oft nachreisen. Ich bekomme auch täglich viele E-Mails von Lesern, die ebenfalls von einer Auswanderung träumen und die ich mit meinem Leben motiviere. Ich lebe momentan meinen Traum, auch wenn ich es selbst nie gedacht hätte – es ist möglich und das möchte ich auch vermitteln. Wer für seine Träume kämpft, der kann sie auch erreichen.

Ziemlich beste Freunde in Finnland. (Foto: Simone Schwerdtner)

SSP: Bei vielen Blogs – so auch bei deinem – werden Kooperationen mit Unternehmen angeboten. Wie sehen diese aus und können Reiseblogger ihr Leben sowie das Reisen allein mit ihrem Blog finanzieren?

S.S.: Bei Kooperationen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Normalerweise läuft es so ab: Man fragt als Blogger an, erhält eine Leistung kostenlos und schreibt im Anschluss darüber auf dem eigenen Blog. Das wird vorher meistens vertraglich oder schriftlich festgehalten. Je mehr Besucher das Blog hat oder Fans den Social-Media-Kanälen folgen, desto einfacher ist es, eine positive Antwort auf eine Anfrage zu erhalten. Obwohl höhere Zahlen nicht unbedingt auch ein besseres Blog bedeuten. Was bringen hunderttausend Facebook-Fans, wenn die Interaktion bei null liegt, da gilt es dann als Kooperationspartner, genauer hinzuschauen. Dies sind zum Beispiel Tourismusverbände, Reiseveranstalter, Airlines, PR-Agenturen, Unterkünfte und viele weitere. Wenn ich beispielsweise eine Reise plane, schaue ich vorher, wen ich anfragen könnte. Ich erstelle dann ein Konzept und frage per E-Mail an. Das klappt in der Regel ganz gut und bei tollen Ideen sagen die meisten auch ja. Die Zusammenarbeit mit Bloggern wird eben immer beliebter und viele Destinationen erkennen die Vorteile gegenüber klassischen Werbemaßnahmen. Heute arbeiten viele Blogger auch als Influencer und Markenbotschafter langfristig mit Partnern zusammen. Sie haben erkannt, wie gut das funktionieren kann, wenn man Hand in Hand mit Bloggern geht. Aber auch andersherum ist es möglich und Blogger werden angefragt, ob sie an einer Recherchereise teilnehmen möchten. So war das zum Beispiel letztens bei mir, als ich in Finnland war. Das sind gemeinhin kleine Gruppenreisen mit mehreren Bloggern, meistens so um die fünf Personen. Diese Reisen sind in der Regel natürlich unbezahlt. Blogger können in dieser Zeit nicht arbeiten und haben einen Ausfall, der nicht kompensiert wird. Wer mit seinem Blog Geld verdienen möchte, hat verschiedene andere Möglichkeiten, sollte das aber nicht als Ziel sehen, denn nur die wenigstens können davon vollständig leben. Das können zum Beispiel komplette Kampagnen sein, gesponserte Beiträge, Affiliate-Marketing oder digitale Informationsprodukte wie zum Beispiel Onlinekurse oder E-Books. Oft erhalten Blogger auch Anfragen für Projekte, die zwar über den Blog kommen, aber nicht so richtig etwas damit zu tun haben, zum Beispiel Artikel für Corporate Blogs zu schreiben oder Tätigkeiten als Fotografen.

SSP: Zum Abschluss: Was vermisst du am meisten an Münster?

S.S.: Münster ist meine absolute Lieblingsstadt in Deutschland. Ich liebe das Fahrradfahren dort, aber ich vermisse es nicht wirklich, da die Insel, auf der ich lebe, auch eine Fahrradinsel ist. Was ich aber am meisten vermisse sind die vielen kleinen Cafés, die leckeren Restaurants und natürlich das Fyal, in dem ich viele Jahre an der Kaffeemaschine gearbeitet habe. Das war eine schöne Zeit! Ein bisschen Münster nehme ich mir aber immer mit auf die Seychellen – und zwar in Form von Röstbar-Kaffee. Den trinke ich dann in meiner Hängematte und schwelge in alten Zeiten.

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