Alles was man will von einer Liebesgeschichte Rezension zu dem Stück „Alles was Sie wollen“

Im Wolfgang Borchert Theater Münster ist im Moment das Stück „Alles was Sie wollen“ zu sehen – eine überraschende, anrührende und alles andere als gewöhnliche Liebesgeschichte, die auch dann bewegt, wenn man selbst mit Liebe gerade gar nichts anfangen kann.

Lucie und Thomas sind Nachbarn, lernen sich durch einen Wasserschaden kennen und später lieben. Klingt nach dem Plot von einem Sonntagabendfilm im ZDF, den man wegdrückt, bevor er angefangen hat. Ist es aber nicht, ganz im Gegenteil. „Alles was Sie wollen“ heißt das Stück im Wolfgang Borchert Theater, in dem sich Lucie und Thomas, beeindruckend gut gespielt von Markus Hennes und Ivana Langmajer, durch die Widrigkeiten der Liebe quälen. Sie eine gebildete, belesene Dramatikerin mit Schreibblockade, die Thomas in nonchalanter, herablassender Weise erklärt, wie genau man Adverb definiert, jedoch nicht merkt, dass die Ehe zu ihrem Mann, den sie siezt („Warum auch nicht? Er heißt schließlich so.“), ihre beste Zeit hinter sich hat. Er ein alleinerziehender Witwer, der gut kocht und noch besser zuhört und der es schafft, ihre gelangweilte Unterkühlung mit Pasta und Motorradhelm um ein paar Grad aufzuwärmen. Langsam, aber dennoch. Sie ist klug, weiß viel, oft mehr als er. Das ist ihm bewusst; er macht Lasagne und hört zu. Das aber, worauf es schlussendlich wohl ankommt im Leben, hat er verstanden, während sie sich hinter belustiger Kühlheit und scharfem Sarkasmus versteckt. Tief empfinden und Liebe ernst nehmen lernt sie von Thomas – nicht ohne Umwege natürlich, und nicht ohne Opfer, die ihre egoistische Gedankenlosigkeit fordert. Und so wird aus einem Setting, das wie eine kurzlebige Liebesgeschichte mit durchschnittlichen Figuren wirkt, ein Geflecht aus Intelligenz, Wärme und Witz, das das bietet, was Theater bieten sollte: einen Abend, der nicht endet, wenn der Vorhang fällt. Matthie Delaporte und Alexandre de la Patellière, weltweit bekannt durch die Komödie „Der Vorname“, die auch im deutschen Raum verfilmt und inszeniert wurde und ein bahnbrechender Erfolg war, haben ein Stück geschrieben, das anrührt. Es klingt nach und wirft Fragen auf über Beziehung und Treue, die die meisten von uns im Alltag vermeiden. Markus Hennes, der mit diesem Stück sein Debut als neues Ensemblemitglied feiert, und Ivana Langmajer fesseln mit der Spannung, die zwischen ihnen herrscht, so sehr, dass die Videomontagen im Hintergrund kaum nötig wären. Diese zwei Menschen schaffen es, vor einem minimalistischen Setting und mit Kostümen und Requisiten, die unspektakulärer kaum sein könnten, das darzustellen, was schlussendlich wohl jeden beschäftigt: den Schmerz, die Tragik und die Schönheit von Beziehungen und das Wunder, jemanden zu finden, der das ergänzt, was man selbst nicht kompensieren könnte. Angefangen mit Thomas, der kocht für Lucie, damit sie etwas anderes isst als Pizza. Endend mit einer Liebe, die beide ein bisschen heiler macht, als sie es vorher waren und einer Schriftstellerin, die wieder schreiben lernt, weil sie merkt, dass es Stoff genug gibt – man muss das Leben nur ernst nehmen.

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