Brave New World

Unterhaltung oder Gesellschaftskritik?

von Florian Faller

Die schöne neue Welt ist voll von glücklichen Menschen, die ihre Zeit mit virtuellem Sex und Magnetgolf verbringen. Alle, denen es trotzdem mal nicht so top geht, nehmen einfach Soma, eine moderne glücklich-machende Droge. Doch es gibt ein paar, die immer wieder merken, dass sie nicht in diese Welt passen, die merken, dass sie „nicht normal“ sind.

Die professionelle, aber mit viel Liebe gemachte Inszenierung entstand in Kooperation mit der Jugendkunstschule im Kreativ-Haus, der Westfälischen Schule für Musik, der Musikhochschule Münster und dem Sinfonieorchester Münster. Die vielen Stunden der Probe und die wahrscheinlich nicht ganz leichte Absprache haben sich gelohnt, denn herausgekommen ist ein Stück voller Leben. Die Livemusik in Kombination mit künstlerischen Choreographien und eingängigen Texten, wie „Wir sind nicht normal“, bei denen man bald glaubt mitsingen zu können, erschaffen eine greifbare Atmosphäre, bei der die Theatergäste auch gerne mal in spontanen Szenenapplaus ausbrechen.


„Wir sind nicht normal“

Liedtext im Stück

Das Stück beschreibt nicht nur die schöne neue Welt in all ihren Facetten mit der Entkorkung von Kindern, dem Fehlen von Kunst und Kultur, dem „hops gehen“ von Alten, bevor sie Falten kriegen, und der in Alphas, Betas usw. eingeteilten Gesellschaft. Das Stück zeigt zudem die Geschichten von Charakteren, wie beispielsweise dem Alpha Bernhard Marx (Jonas Bauhaus), der sich, obwohl solche Gefühle verpönt sind, in die Beta Lenina (Olivia Zessin) verliebt. Auch die Geschichte von John (Konstantin Schumann), der nicht in der Zivilisation aufwächst, aber Shakespeare gelesen hat und sich, als er in die schöne neue Welt kommt, dort überhaupt nicht wohl fühlen kann, wird erzählt. Auf diese Weise werden dem  Zuschauer immer mehr Probleme, dieser sonst so sorgenfreien Welt bewusst und der ein oder andere ist vielleicht nicht nur toll unterhalten, sondern kommt auch ins Nachdenken.

Doch auf jeden wirkt Theater anders. Daher die Empfehlung, selbst einmal das Theater Münster zu besuchen. Ob mit Kultursemesterticket oder ohne – die zwei Stunden lohnen sich!

Fotos:
https://www.theater-muenster.com/produktionen/theaterjugendorchester-schoene-neue-welt-brave-new-world.html?ID_Vorstellung=6149

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