Bus 57

Dashka Slaters Roman über Gender und Rassismus

von Katharina Isaak

Am 4. November 2013 kommt es in der Buslinie 57 in Oakland, Kalifornien, zu einem ungewöhnlichen Vorfall. Auf dem Heimweg von der Schule wird Sashas langer weißer Rock von Richard angezündet. Sasha definiert sich selbst als agender und besucht eine private High School. Richard ist Afroamerikaner und muss sich tagtäglich mit der Kriminalität in seinem Viertel auseinandersetzen. Autorin und New York Times Journalistin Dashka Slater beschäftigte sich mit dem darauffolgenden Gerichtsprozess und führte eigene Recherchen und Gespräche mit den Beteiligten durch. Der Roman „Bus 57“ präsentiert das Ergebnis ihrer monatelangen Arbeit. Sie spricht hierbei besonders zwei große gesellschaftliche Themen an: zum einen die Anerkennung von Menschen, welche nicht dem traditionellen Mann-Frau-Verständnis entsprechen in der Gesellschaft, zum anderen kritisiert sie den teilweise rassistischen Umgang der amerikanischen Justiz mit afroamerikanischen Jugendstraftätern.

Sehr feinfühlig beschreibt sie die beiden Hauptfiguren, ihre Lebensumstände und die Auswirkungen der Ereignisse der Busfahrt auf ihr weiteres Leben. Die Darstellungsweise ist sehr dokumentativ. So lässt sie beispielsweise einige originale Gerichtsquellen und Beiträge aus den Sozialen Medien in die Erzählung einfließen. Tatsächlich wird der Leser geradezu mit einer Flut an Zahlen und Fakten zu Themen rund um Gender und Jugendstrafrecht überschwemmt. Slater gelingt es jedoch überwiegend diese Daten übersichtlich und leicht verdaubar zu veranschaulichen. Sie bieten dem Leser vielmehr einen optischen und inhaltlichen Perspektivenwechsel. Die Sprache ist insgesamt sehr einfach gehalten. Die Thematik und die Geschichte für sich sind allerdings so stark, dass der Roman keine großen emotionalisierten Ausdrucksweisen benötigt. Zudem lässt Slater damit dem Leser die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von der komplexen Situation zu machen und nimmt diesen nicht vorweg ein. Erstaunlicherweise gelingt es Slater, dass der Leser Sympathie für den angeklagten Richard entwickelt. Insgesamt informiert „Bus 57“ auf kurzweilige Weise über den Fall rund um den 4. November 2013 und lässt den Leser das eigene vorschnelle Urteilen in vielen Fällen hinterfragen.

 

 

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