„Es werden Zwillinge!“ Wie zwei Redakteure die Regenbogenpresse aufmischen

Wir in Deutschland haben es gut: Egal ob Radio, Fernsehen oder Print, wir genießen ein großes Maß an Pressefreiheit, auch wenn manch einer behauptet, es wäre alles nur gefaked. Gerade vielleicht deswegen passiert es, dass das ein oder andere Medium diese Freiheiten überstrapaziert.

Ein bisschen ist es, wie der Abgrund des deutschen Journalismus. (c)Übermedien/Screenshot

Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz sind Journalisten. Niggemeier schrieb unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntags-zeitung und gründete 2004 den BILDblog. Rosenkranz volontierte beim Norddeutschen Rundfunk, schreibt Kulturbeiträge bei der tagesschau24 und war auch schon bei der taz. Die zwei wissen also, wie Journalismus funktioniert. Und sie trauen sich, auch andere Journalisten zu kritisieren.
Auf ihrer Webseite Übermedien finden sich zahlreiche Beispiele von Artikeln, Interviews, Titelseiten oder Fernsehbeiträgen, bei denen andere Journalisten ein bisschen getrickst haben.

Regenbogenpresse und Royals sind besonders beliebt

Beliebt dabei: Titelseiten der Regenbogenpresse. Diese bedienen sich gerne einer ungenauen Sprache und behaupten vage, was in Wahrheit gar nichts ist. Unter anderem hat dabei die mit dem britischen Thronfolger Prinz William verheiratete Herzogin Katherine während ihrer Schwangerschaft mehr als einmal Zwillinge untergeschoben bekommen. Royals sind überhaupt beliebt bei der Regenbogenpresse, wie sich auf der Seite Übermedien erkennen lässt. In Deutschland ist Michael Schumacher sehr gefragt. Die zweifellose Spitzenreiterin der Falschmeldungen und Titelheldin ist jedoch die Schlagerkönigin Helene Fischer.

Niggemeier und Rosenkranz schreiben seit Anfang 2016 auf Übermedien. Dort setzen sie sich, so erklären sie es auf ihrer Webseite, kontinuierlich mit der Arbeit von Journalistinnen und Journalisten auseinander. „Übermedien ist kritisch, unterhaltend, unabhängig; hinter uns steht kein Sender, kein Verlag, keine Partei. Wir sind auch kein Blog oder Branchendienst, sondern ein Magazin, das sich an alle richtet, die Medien nutzen – also: an alle,“ stellen die beiden auf ihrer Webseite klar.

Das ist neu. Journalisten, die sich trauen, andere Journalisten zu kritisieren und Falschmeldungen aufdecken, ohne sie gleich als Fake News zu beschimpfen. Dafür braucht es Mut. Und die beiden beschränken sich nicht nur auf die Regenbogenpresse, die ja für ihre Unverfrorenheit in Sachen Titelzeilen bekannt ist, sondern analysieren auch schon Mal das Politbarometer der ARD oder die Artikel des Spiegels. Übermedien ist unabhängig und finanziert sich über Abonnenten. Die dürfen die Beiträge eine Woche früher lesen als andere Seitenbesucher. . Warum sie sich keinem großem Verlags- oder Medienhaus unterwerfen, erklären sie auf ihrer Seite: „Etablierte Medien tun sich schwer, mit Kritik umzugehen – und andere Medien zu kritisieren. Kritik von Journalisten an Journalisten ist immer noch verpönt. Wir wollen uns frei machen von falscher Rücksichtnahme, indem wir uns von Verlagen und Sendern unabhängig machen. Wir setzen uns kritisch mit Medien auseinander – und, wenn nötig, auch mit der Kritik an ihnen.“

Neben Umfragen und der Bundeskanzlerin Angela Merkel hat übrigens die Pressefreiheit bei Übermedien eine eigene Rubrik.  Was das bedeutet, kann jeder für sich selber herausfinden.
Am besten mit einem Blick auf die Website oder auch auf Facebook.

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