JEDE:R HAT EIN GESCHLECHT: DAS EIGENE Fotoausstellung zur Intergeschlechtlichkeit

Intergeschlechtlichkeit: Ein Überbegriff für Personen, deren genitale, chromosomale, gonadale oder hormonale Konfiguration nicht den üblichen Standards der sogenannten männlichen und weiblichen geschlechtlichen und/oder reproduktiven Anatomie entsprechen. (Amnesty Bericht, deutsche Übersetzung: Zum Wohle des Kindes? – Für die Rechte von Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale in Dänemark und Deutschland, 2017)

von Jane Knispel

Seit Montag lassen sich die Geschichten von sechs verschiedenen Menschen im Café Weltbühne bestaunen und obwohl jeder von ihnen anders ist, haben sie doch eines gemeinsam: sie sind intergeschlechtlich.

Lucie ist eine:r von ihnen und extra aus Berlin gekommen, um bei der Eröffnung der Ausstellung dabei zu sein, über das Thema aufzuklären und auf die Rechte der intergeschlechtlichen Menschen aufmerksam zu machen. Lucie selbst ist 62 Jahre alt, verheiratet und sagt über sich selbst, eine behütete Kindheit gehabt zu haben. Lucies Eltern entschieden sich gegen eine Operation, welche Lucies Genitalien den gängigen normativen medizinischen Standards (weiblich oder männlich) angepasst hätte. Erst im Alter von 22 Jahren entschied sich Lucie selbst für eine Operationen, doch im Beratungsgespräch mit den Ärzten wäre vieles nicht angesprochen worden. Durch einen solchen medizinischen Eingriff sind die Patienten für das gesamte Leben auf Medikamente angewiesen, die Libido kann verloren gehen und im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem Verlust des Gefühls im Genitalbereich führen.

Die Flagge für Intergeschlechtlichkeit.

Lucie konnte sich freiwillig für eine solche Operation entscheiden, doch dies ist nur bei den wenigsten Intergeschlechtlichen Menschen der Fall.  Die meisten Eltern entscheiden sich dazu ihr Kind noch vor der Vollendung des ersten Lebensjahres operieren zu lassen. Dabei wird meist das zukünftige Geschlecht nach der Aufwendigkeit und Anzahl der Operationen entschieden.

So kommt es, dass 80% der vorher intergeschlechtlichen Kinder, das Geschlecht weiblich zugewiesen bekommen, ohne, dass das Kind eine eigene Meinung dazu entwickeln kann.

„Die geschlechtliche Differenzierung beginnt mit der Zeugung und endet mit dem Tod.“, zitiert Lucie eine ehemalige Professorin. Wie können sich nun Eltern, vor der Operation ihres Kindes, für das „richtige“ Geschlecht entscheiden?  Ganz einfach: sie können es nicht und müssen es auch nicht, denn die Operationen sind medizinisch gesehen nicht nötig. Lucie setzt sich dafür ein, dass Eltern besser über das Geschlecht ihres Kindes aufgeklärt werden, sodass diese die Entscheidung an ihre Kinder abgeben und diese selbst entscheiden können, ob sie operiert werden wollen und welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen: weiblich, männlich oder inter.

Die von Amnesty International organisierte Ausstellung soll auf die Menschenrechtsverletzung gegenüber intergeschlechtlichen Menschen aufmerksam machen und diesen Gehör verschaffen. Die Fotos und Texte hängen noch einige Wochen im Café Weltbühne (Breul 43, 48143 Münster) aus.

Einen kompletten Bericht zur Situation von Intergeschlichtlichen findet ihr hier:
Amnesty-Bericht-Intergeschlechtlichkeit-Deutschland-Daenemark-Mai2017

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