Nicht nur auf dem Teller bunt

elbén zeigt, wie gelebte Integration aussehen kann

von Lucia Kraft

Neben kulinarischen Erlebnissen kann man im élben auch immer wieder kulturelle Neuerfahrungen machen. Bei der Eröffnungsfeier wird ausgelassen getanzt. (c)elbén, Charlotte Löber

Zwischen Uni, Arbeit und dem verzweifelten Streben nach einem gesunden Sozialleben kann die Zeit für politisches Engagement, wie Integrationshilfe, schnell knapp werden. Die Politik kennt wohlklingende Floskeln – im Alltag erweist sich das schnell als deutlich schwieriger. Das Gelingen der Integration ist zweifellos zukunftsweisend, die Auseinandersetzung mit der Thematik jedoch oft überfordernd. Das deutsch-syrische Restaurant elbén zeigt, dass Integration im Alltag nicht nur möglich ist, sondern Spaß macht.

Essen verbindet. Und genau das möchte auch elbén: Begegnung schaffen. Dieses Ziel setzt das junge Team durch das Angebot syrischer Spezialitäten im Bistro in der Scharnhorststraße 25, sowie in ihrem Food Truck auf dem Wochenmarkt, um. Elbén heißt allerdings mehr als leckeres Manakish für kleines Geld zu genießen. Der Name bedeutet „zwei Herzen“, die sich auch im Logo wiederfinden. Eines deutsch, das andere syrisch. Elbén bietet einen ungezwungenen Rahmen, in dem sich näher an die fremde Kultur herangetastet wird. Hinter der Theke arbeiten ausschließlich syrische Mitarbeiter:innen. Das Überwinden von Vorurteilen ist Ziel des offenen, kommunikativen Konzepts. Was genau hinter dem Projekt elbén steckt, weiß Elena, Psychologiestudentin und langjähriges Mitglied des ehrenamtlichen Unterstützerteams. „Integration bedeutet für mich persönlich, dass Menschen, die hier bei uns ankommen, die Chance bekommen, ein gleichwertiger Teil unserer Gesellschaft zu werden. Sowohl im beruflichen, als auch im kulturellen Kontext sollte das Ankommen möglich sein“, erzählt sie. Die Überzeugung aller Mitwirkenden trägt zum Erfolg der Integrationsstrategie elbéns bei.

2017 wurde das Team bereits durch den Bürgerpreis zum Engagement für Flüchtlinge ausgezeichnet und wird sowohl von der Stadt Münster, als auch von Anwohner:innen und der Studierendenschaft dankbar angenommen. Es gibt einen großen Austausch zwischen den am Arbeitsleben teilnehmenden syrischen und oft ehrenamtlich arbeitenden deutschen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Darüber hinaus versuchen alle Beteiligten auch einen kulturellen Austausch anzuregen. „Wir stellen Kunst aus oder organisieren Theater- oder Musikabende“ berichtet Elena. Somit teilen die Syrer:innen ihre Kunst und Kultur und lernen gleichzeitig auch Facetten deutscher Kultur kennen.

(c) elbén/Charlotte Löber

Die neue Zielsetzung ist es nun, das Konzept sowie die Strategie elbéns soweit zu dokumentieren und auszubauen, dass das Projekt auch in anderen Städten umsetzbar wird.

Unterschiedliche Küche und unterschiedliche Kulturen machen einfach Vieles interessanter. Denn mal ehrlich: Nur Kartoffeln und Würstchen wären auf Dauer doch langweilig. Unternehmen wie elbén  bieten eine Möglichkeit zur Beteiligung an gelingender Integration, und zwar für jede:n, der Lust auf „einfach gutes Essen und einfach gute Gespräche“ mitbringt. Mal gut essen muss schließlich jede:r.

„Falls irgendwer also Lust hat ein zweites elbén zu eröffnen, geben wir unser Konzept gerne weiter, um noch mehr Menschen beim Ankommen zu unterstützen.“

Elena

Veranstaltungen wie der elbén-Freundeskreis, der sich jeden ersten Sonntag im Monat trifft, oder  „Offene Bühne, offene Herzen – elbén im Südviertel“, gehören zum Kunst- und Kulturprogramm elbéns. Durch einen Restaurantbesuch oder die bloße Teilnahme an einem Treffen wird man „Teil eines Projekts, das mit viel Liebe und Herzblut aufgebaut wurde.“

Dann, Guten Appetit oder wie es auf Arabisch heißt: „Sahteen“.

Mehr über das Projekt elbén und auch das neue Projekt Trafostation findet ihr auf der Homepage und bei facebook.

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