Rezept für einen etwas anderen Sonntagabend Ein Besuch im Sinfoniekonzert

Sonntagabend – von manchen wird er geliebt, von manchen auch verabscheut: Am Montag geht die Uni wieder los und die Freiheit des Wochenendes ist zumindest bis Mittwoch (oder auch Sprittwoch) passé. Mitunter steckt dem gemeinen Studierenden noch eine anstrengende Partynacht in den Knochen, da das letzte Bier auch diesmal wieder eines zu viel war.

Vielleicht spielte sich das gesamte Wochenende auch am Schreibtisch ab und implizierte das traurige Gefühl, als einzige Person ein todlangweiliges Leben zu führen, während eine Stadt voller Studierender sich amüsiert. Tatsache ist allerdings nicht allzu selten: Es regnet. Im Grunde ist ein Sonntagabend daher prädestiniert dafür, sich mit leckerem Essen allein oder zu zweit ins Bett zu verkrümeln und sic0h der visuellen und auditiven Beschallung des neuesten Netflix-Films hinzugeben. Oder?

Es sei denn, der Sonntagabend schenkt euren Augen und Ohren einen ganz anderen, besonderen Genuss, der euch durch mehrere musikalische Epochen führt und Geschichten erzählt, wie sie kein Film je erzählen könnte. Klingt köstlich, aber kompliziert? Keineswegs. Es bedarf dafür nur ein paar einfachen Zutaten.

Da wäre erstens ein ordentliches Outfit, vielleicht etwas, was schon längere Zeit mangels passender Gelegenheit im Schrank hängt und im Idealfall faltenfrei ist. Nicht fehlen darf außerdem dieses kleine blaue Kärtchen mit dem Schriftzug „Kultursemesterticket“, was uns immer mit dem orangenen Semesterticket zugeschickt wird, aber jedes Semester in der Schublade verstaubt. Nun muss nur noch die Komfortzone des Zimmers verlassen und die Leeze erklommen werden. Wenn es regnet, fährt auch ein Bus. Zur Verfeinerung kann optional eine Nachricht an einen Freund oder auch die ganze Clique gesendet werden. Mit der Bitte, zum Theater ins Sinfoniekonzert zu kommen. Warum? Die Sitze sind sehr bequem, es ist warm und trocken, der Aufenthalt ist kostenlos und das Allerschönste: Es gibt manuelle Musik weitab vom derzeit angesagten musikalischem Deutschrap-Mainstream. Wer immer noch nicht überzeugt ist, kann bestimmt mit einem anschließenden Bier in der Altstadt gelockt werden. Zum Schluss müsst ihr nur noch drei Stunden entspannt genießen – und fertig ist der etwas andere Sonntagabend.

Denn diese drei Stunden haben es in sich: Stürzt euch hinein in Bachs unverkennbare Kantaten, lauscht impressionistischen Klängen wie aus einer anderen Welt und bewundert Künstler, die ihren Instrumenten Töne entlocken, die auch der beste DJ nicht kopieren kann. Entdeckt die zahlreichen Geschichten, die ohne Worte erzählt werden, und vielleicht auch keine Worte brauchen. Erstaunen und Berührung mischen sich mit Begeisterung und kreieren am Ende euren ganz eigenen Film, eure eigene Geschichte. Und selbst, wenn eure dominierende Empfindung Langeweile gewesen sein sollte, könnt ihr dem Abend beim Absacker danach doch noch einen positiven Ausklang geben – aber vielleicht liegt ihr abends im Bett und summt eine Melodie, die nicht aus einer Spotify-Playlist stammt.

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