Und nun? Ein Überblick über Möglichkeiten sich in und an der Uni zu engagieren

Wer bis an diese Stelle des Heftes gekommen ist, kann nicht umhin festzustellen, dass das Thema Nachhaltigkeit die ihm zukommende Aufmerksamkeit verdient hat. Facetten- und umfangreich und immer präsenter taucht es in unserem Alltag auf und fordert Politiker, Unternehmen und Konsumenten. Es muss jedoch nicht von weit oben kommen; gerade beim Thema Nachhaltigkeit sind große Erfolge durch lokale, eigenständige oder Graswurzelbewegungen zu verzeichnen. Ihr müsst also nicht direkt in der Politik anfangen, wenn euch die Zukunft des Planeten am Herzen liegt –  einen Einstieg bieten die studentischen Initiativen an der Uni.

fossil free

Divestment das ist das Schlagwort für alle Fossil-Free-Gruppen; nicht nur in Münster, sondern auf der ganzen Welt. Als globales Netzwerk von Einzelpersonen und lokalen Initiativen ist Fossil Free eine sogenannte Graswurzelbewegung und will Divestment (zu Deutsch Desinvestition) in öffentlichen Institutionen wie Städten, Kirchen und Universitäten umsetzen. Darunter versteht man den Abzug von Investitionen aus Anlagen der fossilen Brennstoffindustrie. 

„Kohle-, Öl- und Gasunternehmen gehören zu den ertragreichsten und einflussreichsten Konzernen weltweit, aber erzielen ihre Gewinne auf Kosten der Menschheit und unseres Planeten”, erklärt Lina Birkner von der Münsteraner Ortsgruppe.  

Wenn es falsch ist, das Klima zu zerstören, dann ist es auch falsch, von dieser Zerstörung zu profitieren” unter diesem Motto steht das Engagement der Fossil-Free-Gruppen. „Nur, wenn fossile Brennstoffe im Boden bleiben, haben wir eine Chance, den Klimawandel wie in Paris beschlossen auf unter 1,5 Grad zu begrenzen.”

Neben dem ethischen Aspekt geht es beim Divestment auch um finanzielle Risiken: Fossile Brennstoffe sind aufgrund der bevorstehenden Energiewende einem hohen Risiko, unbrauchbar zu werden, ausgesetzt. So werden diese Anlagen hochgelobt und können schnell an Wert verlieren, man spricht von der „Carbon Bubble” einer Finanzblase im Bereich fossiler Brennstoffe.

Petitionen, Gespräche mit Politikern oder anderen Verantwortlichen, aber auch öffentlichkeitswirksame Aktionen mit Bannern, Straßenkreide und Megaphonen, das alles gehört ins Repertoire. Und damit ist Fossil Free erfolgreich: 2015 hat Münster als erste Stadt in Deutschland deinvestiert, es folgten Stuttgart, Berlin, Baden-Württemberg und noch viele mehr. Nach diesem Riesenerfolg für die Münsteraner Fossil-Free-Gruppe haben auch die Universität und das Studierendenwerk beschlossen zu deinvestieren, sodass nun der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Zentrum der Aktionen steht. Über die Arbeit bei Fossil Free erzählt Lina: „Ob bei den Plena, den öffentlichen Aktionen, beim Kontakt mit Politikern oder den Verantwortlichen an der Uni oder in der Pressearbeit – bei fossil free findet jeder eine Art, sich einzubringen und mitzuarbeiten. Wir gucken immer, dass allen Bedürfnissen gerecht geworden wird und sich jeder wohlfühlt.”

Wirtschaft und Umwelt e.V.

Schon der Name klingt wie ein Paradoxon und auch die Aufgabe, die sich die Mitglieder der Initiative Wirtschaft und Umwelt gestellt haben, ist nicht gerade klein.

„Nachhaltigkeit ist für uns ein Zusammenspiel aus Wirtschaft, Ökologie und Sozialem. Bei uns steht Zukunftsorientierung im Mittelpunkt: Durch nachhaltiges Wirtschaften können wir das Leben der nächsten Generation lebenswert machen”, erklärt Amrai Bauer. Die fächerübergreifende Initiative mit Studierenden aus den verschiedensten Bereichen möchte das Thema Nachhaltigkeit an die Öffentlichkeit bringen, das Bewusstsein hierfür stärken und zum nachhaltigen Handeln im Münsteraner (Uni-)Alltag anregen. Aktionen und Diskussionen sollen Theorie und Praxis zusammenbringen, aufklären und informieren. Dazu veranstalten die Aktiven Vortragsreihen, Filmabende, Kleidertauschpartys oder Diskussionsrunden. Neben der Organisation dieser Projekte wird sich in der Gruppe regelmäßig über neue Ansätze und alternative Lösungen zum Thema Nachhaltigkeit ausgetauscht. Viele der Veranstaltungen werden gemeinsam mit anderen Initiativen wie sneep organisiert, um die Vernetzung zwischen den Gruppen und Studierenden zu stärken.

„Wir versuchen immer wieder, den Widerspruch zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zu reflektieren, neue Lösungen zu debattieren und diesen Widerspruch auszuräumen. Sensibilisierung, Aufklärung und Anregen zum nachhaltigen Wirtschaften und zur Änderung unseres Konsumverhaltens sind die Schwerpunkte unserer Arbeit”, erzählt Amrai weiter zur Vision der Initiative. „Im öffentlichen Diskurs steht Wirtschaftlichkeit oft im Vordergrund, wir wollen eine Kombination von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten vertreten.”

sneep e.V.

sneep: dieses Akronym steht für Student Network for Ethics in Economics and Practice. Zum deutschlandweiten Dachverband gehören etwa 30 Lokalgruppen, in denen Studierende verschiedenster Fachrichtungen mit Interesse an Wirtschaftsethik zusammenkommen. Statt des oft als undefiniert und wenig greifbar kritisierten Begriffs Nachhaltigkeit steht hier Wirtschaftsethik im Vordergrund. Unter diesem Begriff werden bei sneep die drei Bereiche gute Wirtschaft, gutes Wirtschaften und gute Wirtschaftswissenschaften zusammengebracht, sodass neben Umweltschutz auch etwa soziale Aspekte behandelt werden. „Bei uns kommen Theorie und Praxis zusammen, in der Gruppe schaffen wir außerhalb der Uni einen Rahmen für den Diskurs über Ethik”, erklärt Robin Liebholz, Vorsitz der Lokalgruppe Münster. „Mal präsentiert einer aus der Gruppe ein Thema, dann haben wir externe Referenten zu Besuch. Außerdem besuchen wir lokale Unternehmen, die einen Fokus auf Nachhaltigkeit legen.” Neben der internen Weiterbildung organisiert sneep Diskussionsrunden, Poetry Slams oder ist auf Veranstaltungen wie den Nachhaltigkeitstagen vertreten. „Als Lokalgruppe sind wir sehr frei in unserer Arbeit, viel hängt davon ab, wofür sich die Studierenden interessieren, und ändert sich, wenn sich die Zusammensetzung der Gruppe ändert. Unsere Arbeit muss zur Ausrichtung des Deutschlandverbands passen, dafür werden wir finanziell und ideell unterstützt. Wir haben zum Beispiel die Möglichkeit, uns bei halbjährlich stattfindenden Tagungen zu vernetzen und neue Ideen und Einblicke zu gewinnen.” Der Verein koordiniert die deutschlandweiten Arbeitsgruppen, beispielsweise die AG Beratung, die Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit berät, oder die AG Lehre, die gerade in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen ein Positionspapier herausgebracht haben, in dem die Verankerung von Wirtschaftsethik im Studium gefordert wird.

Neben Studierenden aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen tummeln sich auch andere Interessierte bei sneep, da bei den breit gefächerten Themen jeder seinen Teil beisteuern kann und herzlich willkommen ist, sich in den Diskussionen auszutauschen.

BUNDjugend

Ein bunt gemischter Haufen Studierender verschiedenster Fachrichtungen und junger Leute, die eine Ausbildung machen, zur Schule gehen oder schon arbeiten, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Ein öffentliches Bewusstsein für be- und entstehende Umweltprobleme zu schaffen und den Tatendrang, etwas für den Schutz des Planeten zu tun, zu fördern. „Letztendlich wünschen wir uns eine Welt, in der Menschen im Einklang mit der Natur leben und den kommenden Generationen die gleichen Chancen ermöglichen”, beschreibt Oliver Sommer seine Vision einer nachhaltigen Welt. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Natur und Mitmenschen zu schützen und sich den Auswirkungen persönlichen Handelns bewusst zu sein. Nur so kann man agieren, ohne dauerhaften Schaden an der Umwelt anzurichten.” Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen möchte die Gruppe Menschen auf diese Auswirkungen des alltäglichen Handelns aufmerksam machen. Es gibt viele Lebensbereiche, in denen nachhaltiger gelebt und konsumiert werden kann. „Dazu gehören Strom und Heizen genauso wie Ernährung und Kleidung. Außerdem weniger bekannte Maßnahmen wie die Nutzung ökologischer Banken statt Investments in naturzerstörende und menschenverachtende Fondsgesellschaften”, erklärt Oliver Möglichkeiten, wie man als Privatperson im Alltag umweltbewusster leben kann. „Im Konsum fließen die Themen Wirtschaft und Umwelt zusammen, sodass jeder Mensch einen spürbaren Unterschied machen kann, da die Wirtschaft von den Konsumenten lebt und sich an diese anpassen muss.”

Mit Aktionen wie Unterschriften Sammeln, Flyer Verteilen oder öffentlich Informieren möchte die BUNDjugend Münster diese Botschaft in die Gesellschaft tragen. Beim nachhaltigen Flying Dinner, dem vegetarischen Kochabend oder dem Vegan Bake Sale kann jeder miterleben, wie sich das im Alltag umsetzen lässt. Mit einmaligen Veranstaltungen zu Themen wie Glyphosat, Massentierhaltung, Primark oder der Bundestagswahl wird über aktuelle Fragen aufgeklärt und informiert.

 

Dieser Text erschien in der Ausgabe 434 mit dem Titelthema Nachhaltigkeit.

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